Dienstag, 15. August 2017

Ausrichtung


Wo ich mich von anderleuts Erwartungen steuern lasse
bin ich von anderleuts Erwartungen gesteuert.

Es schadet nicht, es wenigstens zu bemerken :)

Samstag, 12. August 2017

Wendestein

Die Sylphen


haben wieder einen


vielgestaltigen


Stein rausgehauen.


Gross ist er nicht –
(mehr so das Lego unter meinen Schreibtischdrachen)


– aber Eichhörnchen!

Von denen kommen heuer zwei, fast jeden Tag. 
Der Vogelhäuschen- Abfall hat sie angelockt, denn ab Sonnenaufgang rieselt es nur so vor meinem Schlafzimmerfenster, wenn die Meiserl, Gimpel, Spatzen... und seine Eminenz, der Specht, frühstücken.

Der Pionier der beiden Eichhörnchen, ein grauschwarzes, grosses Tier, schaute recht bald auf dem Tisch, auf der Bank und am Fensterbrett nach, wenn am Boden nichts mehr zu finden war. 
Irgendwann versuchte er, den Körnchen- Auswurf ohne Vögel hinzukriegen. Dazu stürzte er sich, nachdem er sich zuvor ausgiebig und lautstark aufgeregt hatte, aus den Höhen des Birnbaums herab auf den Sims des kleinen Häusels, das an einer meterlangen Schnur von einem Ast hängt. 
Hörnchen und Häuschen kreisten eine Weile zusammen herum wie ein eckiges Pendel, eingehüllt in gesträubte Schweifwolle.
Die Ausbeute des Sprungs war mager, es war kaum etwas herausgefallen. Ich habe dann ein bisschen nachgeholfen und tags drauf einen Sack Eichkatzelfutter mit heim gebracht.

Seitdem fütterte ich brav, wurde aber von dem Alarmisten täglich neu als Überraschung oder Bedrohung identifiziert und angekeckert. Und zwar jedes Mal, wenn es sich ergab, dass ich morgens neben dem Fensterbrett entweder noch im Bett lag oder draussen am Tisch meinen Espresso trank – also meistens.

Neulich habe ich mich erklärt, mitten hinein in seine Aufgeregtheit, und zwar vernehmlich und in Menschensprache: Ohne mi gabats do koane Nussn! Oiso hob di ned aso. 
Er hat innegehalten und geschaut, reglos, ohne Mimik, ohne einen Lidschlag, so ist das wohl bei Hörnchens. Seitdem frisst er entspannt und ohne vorherige Beschwerde; wie das kleinere, rote Tier auch, das mich nicht mal mehr im Auge behält, wenn ich daneben sitze.
Mittlerweile verputzen sie nur noch Früchte und Körnchen, die ganzen Nüsse und Bucheckern tragen sie schon davon für die Winterspeis.

Tash Sultana


Zufallsfund auf YouTube:



(Ein paar ältere Biobayern dürften sich an legendäre Auftritte von Gulââb in den späten 80ern erinnert fühlen – mir gings zumindest so. Auch er war/ist eine Gitarren- Effekt- OneManBand in Perfektion.)

Donnerstag, 10. August 2017

Haus anschaun


Gestern war noch so ein seltsamer Tag. Eigenartig still wars, der Himmel hing tief, abends war er dann trüb-gelblich. 

Ein siedlungsgeschichtlich uraltes Dorf, westlich von Murnau gelegen, in dieser zauberhaften, moorigen Gegend am Saum der Alpen, passte in den Tag. Es schien geistverlassen, wie gelähmt. 

Einstige Heimat ist auch hier zum Landschafts- und Wasserschutz-, zum Erholungsgebiet geworden, in dem der Verkehr, die Wald- und Bergsehnsucht älterer Norddeutscher das Geld einspielen muss.

Hofstellen und Häuser aus vier Jahrhunderten sind grösstenteils erhalten, aber nun hauptsächlich Kulisse. Fast ein ganzes Dorf ist nur noch Ferienbehausung, fremdenverkehrt, um ein gutes Bild bemüht. Dieter Wieland könnte gleich nochmal von vorn anfangen. Rustikal- Wirtshäuser mit überteuertem Schweineschnitzel, romantisch benamste Brunnentröge aus Sandstein, aus denen früher das Rottvieh soff, als Deko und Handwaschbecken, zum E-Bike anlehnen. 
Dazu ein bissl Dorfkern hingestellt, ein hölzernes Wagenrad hat eine Acrylglasscheibe verpasst gekriegt und muss jetzt Tisch sein. Mehr Kunst dieser Art, ein paar Erklärtafeln, Geschichtliches, die obligatorische Bank um eine alte Linde herum, alles schön kopfsteinumpflastert. Kein Mensch, nicht mal Touristen, in dieser Installation. 
Irgendwann heulte eine Motorsäge auf, wie eine Bemerkung dazu: Nahnah, hier arbeitet schon noch jemand.

Ich kenne diese Ortscharakteristik aus dem Bayerischen Wald, da habe ich schon beim Durchfahren immer das Frösteln gekriegt. Wo der Genius Loci durch seine Nachbildung ersetzt ist, würde ich nicht hinziehen wollen.

Montag, 7. August 2017

Mondfinsternis



Mit rotem Fuss
trat Vollmond heut
hinein ins schwarze Ahornlaub.

Das nahe Bierzelt rummst gewaltig
spielt eins, zwei, drei paar Ohren taub.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Gemischter Salat


Schon die blau-grüne Farbe des Giftlattichs weist auf seine neptunische Verwandtschaft hin. In der Homöopathie ist er eine gut geprüfte Arznei, öfter angewandt als der Kopfsalat oder der wirkstoffreiche geerntete Milchsaft dieser Pflanze (Lactucarium lactuca virosa).

Nun fand ich auf magischepflanzen.de einen Artikel zu diesem Kraut, das auf eine volksmedizinische Bedeutung als Beruhigungsmittel zurückblickt, ähnlich übrigens den Kopf- und Gartensalaten (Lactuca sativa), die ausgewachsen auch einiges an -angeblich- neutralem Milchsaft hergeben und schon den Römern als sedierende und appetitanregende Speisen galten. 

Wenn man den Wurzelstrunk eines Kopfsalates mitisst oder den aufgeschossenen Stängel, macht sich eine harntreibende Wirkung als erstes bemerkbar, soweit meine Erfahrung.


Blüte des Kopfsalats

Für meinen Geschmack hat man den Gartensalaten das Bittere zu sehr rausgezüchtet, ich treibe keinen Aufwand mehr, die Pflanzen anzubauen, was vor allem bedeutete, sie vor den Schnecken zu bewahren.

Mein Haupt-Salat ist der allgegenwärtige Löwenzahn, von der jungen zartbitteren Wurzel im Frühjahr bis zu den letzten Blatttrieben im Herbst. Er ersetzt in der warmen Saison den geliebten Radicchio, den ich mir in seinen geschmackvollen Varianten aus Münchens Türkenviertel mitbringe, da die Bioladen- oder Supermarktpflanzen vergleichsweise fade Gewächse sind und hiesige Gemüsehändler sich die guten Sorten mit Gold aufwiegen lassen.

Ich kenne den Giftlattich vom Räuchern, da erzeugt er eine innerliche Reisestimmung, in der Wirkung ähnlich den Maidal- Nüssen, nur intensiver. Ich mische ihn dafür mit Waldsalbeiblättern, zwengs der Viriditas im Raum, die getrockneter Giftlattich alleine vermissen lässt. 

Rauchen, inhalieren mag ich ihn nicht, er ist mir zu kratzig und in der Wirkung viel zu hammerartig (soviel zu der erwähnten 'milden' Rauschwirkung – für Leute, die ans Kiffen gewohnt sind, mag es ja so sein). 


Giftlattich

Mir ist er erstmals vor vielen Jahren aufgefallen, weil er immer zwischen den Steinplatten vor meinem Schlafzimmer aufging, wo ich ihn auch wachsen und aussamen liess. 
Damals bemerkte jemand: Aha, bei Dir kummt ja da Jagasalod! (Jägersalat). Mittlerweile weiss ich, dass unter diesem Namen (lokal) alle möglichen Pflanzen firmieren, die mit einer strahligen Blattrosette ins Wachstum starten.

Ähnlich im Inhalt wie o.g. Link:
Giftlattich auf der sehr umfangreichem Infoseite bewusst-vegan-froh.de, auf der sich auch sonst gut herumlesen lässt, wenn man sich nicht an der schlechten Übersetzung amerikanischer Artikel stört.